Die Schildbürger im Kampf gegen den Drachen.


Ein modernes Märchen vom Tapferen Gärtnerlein.

Es war einmal ein kleines Gärtnerlein, das wohnte inmitte der Halbinsel ‚Ossilanden‘, einem Teile des Staates ‚Schilda‘, welcher bekannt ist durch die Heldentaten seiner Bewohner, die ‚Schildbürger‘.

Im Jahre des Herrn 1998 besucht das Gärt- nerlein die Insel ‚Balteringe‘, eine recht be- schauliche und durchaus bekannte Provinz der ‚Ossilanden‘. Hier kommt unser Gärtner- lein mit einem Mitarbeiter des Strandvogtes ins Gespräch, einem Studiosus aus dem fer- nen Osnabrück.
Der Studiosus erwähnt, daß er den Drachen „Heracleum mantegazzianum*) auf der Insel entdeckt habe. Das Gärtnerlein fragt besorgt, was der Studiosus hiergegen unter- nehmen wird? Der Studiosus antwortet ihm, dies sei leider nicht seine Aufgabe.

Nun hat unser Gärtnerlein mit eigenen Augen sehen müssen, wie dieser Drache nicht nur




Kinder, sondern auch Erwachsene, die sich ihm unbedacht genähert hatten, erbärmlich zurichtete. Indem er Ihnen gefährliche Ver- brennungen zufügte.
Und, weil das Gärtnerlein gern mit offenen Augen durch die Lande geht, weiß es, daß der Drache schon in vielen Provinzen sein Unwesen treibt. Daher ist das Gärtnerlein mit dieser Auskunft nicht zufrieden, und sinnt auf Abhilfe.

Wieder zu Hause angekommen, schreibt das Gärtnerlein dem Studiosus einen Brief, in welchem er ihn darüber informiert, wie in anderen Provinzen des ‚Landes Schilda‘, - zum Teil sogar mit Hilfe des Militärs -, gegen den Drachen vorgegangen wird. Und daß der Studiosus nun bitte seiner Bürgerpflicht nach- kommen möge, und seinen Strandvogt zum Eingreifen bewegen solle.
Andernfalls das Gärtnerlein die Gazetten informieren wolle, um so die Bevölkerung über die Drachengefahr zu informieren.

Das hilft: Das Gärtnerlein bekommt binnen Kurzem die Nachricht, daß der Studiosus die „Obrigkeit“ der Insel über den Drachen infor- miert hat. Und: Der Studiosus bittet nun das Gärtnerlein, seinerseits die Honoratioren der Insel anzusprechen. Damit die Schildbürger auch hier auf dieser Insel aufwachen und et- was unternehmen mögen!

Unser Gärtnerlein schreibt also an den Herrn „Vorsitzenden des Umweltausschusses“ der Insel, informiert diesen über die Gefahren, welche von dem Drachen drohen, und über die Bekämpfungsversuche in anderen Pro- vinzen. Und darüber, daß besagter Studiosus weitere Auskunft geben kann; auch darüber, wo das Untier auf der Insel haust.
Das Gärtnerlein, welches einige leidvolle Er- fahrung hat im Umgang mit der Obrigkeit in Schilda, stellt auch diesmal in Aussicht, daß, falls nichts geschehen sollte, er die Gazetten informieren wolle.

Wie erwartet, hat dies seine Wirkung: Nach kurzer Zeit bekommt er einen Brief von be- sagtem Vorsitzenden. - In dem dieser sich herzlich beschwert, daß er mit diesem Ulti- matum unter Druck gesetzt worden sei.
Aber es passiert etwas: Die Honoratioren der Insel erkunden sich, und sie berufen eine Versammlung ein, zu der sie auch besagten

Studiosus aus dem fernen Osnabrück hinzu- bestellen.
Hier wird nun eine wahrhaft „historische“ Entscheidung getroffen: Die Bürger der Insel sollen über den Drachen informiert werden. Ansonsten wird abgewartet. So berichtet nun auch die „Ossi-Gazette“.
Eine wahrlich weise Entscheidung, die den Schildbürgern wieder alle Ehre macht!

Das Gärtnerlein kann zufrieden sein, es hat einen großen Sieg errungen: Es hat die Ver- antwortlichen der Insel gezwungen, sich mit dem Drachen zu befassen.
Der „Vorsitzende“ wie auch der Studiosus aus Osnabrück konnten sich profilieren, sie ließen sich namentlich in der „Ossi-Gazette“ erwähnen.
Wenn der Drache nun auch weiterhin hier sein Unwesen treiben darf, hat das Gärtner- lein keine Schuld mehr daran!
Lieber wäre es ihm zwar gewesen, es wäre tatsächlich etwas passiert, - aber: wir sind ja nur in Schilda -, aber leider ist Dieses kein Märchen ...!

Und weil alle Beteiligten nicht gestorben sind, leben sie heute noch ...

* (Heracleum mantegazzianum = Riesenbärenklau, Herkulesstaude)

© A.O. 2000

Mehr Informationen, zum Heracleum und anderen invasiven Pflanzen finden Sie hier:
> www.neophyten.de/