Ein Märchen?

Samstag, der 12. Juni 2015

Ehepaar K. aus M. sucht eine neue Wohnung. Die Besichtigungstermine des letzten Wochenendes waren enttäuschend. Die drei Wohnungen entsprachen zwar den Erwartungen, nicht aber der Blick aus dem Fenster. Und Ehepaar K. hat, wie die meisten Wohnungssuchenden, sehr hohe Ansprüche an Wohnumfeld, Garten und Außenanlagen. In dieser Woche antworten die K’s nur noch auf Inserate, die die Themen Grün und Umgebung ausdrücklich betonen.

Das ZDF startet um 20.15 Uhr die 10-teilige Serie „Außenräume“. Die Themen Landschaftsplanung, Außengrün, Gartengestaltung und Leben im Freien liegen in der Luft und sind feste Rubriken in den meisten Publikumszeitschriften. Der Stern veröffentlicht eine Städte-Rangliste „Stadt und Grün“.
Immobilien ohne wohnwertsteigernde Außengestaltung stehen leer und sind bei der Mehrheit der Bevölkerung verpönt. Investoren, die nicht rechtzeitig auf den Trend in Richtung Grün reagiert haben, bereuen ihre Investitionsentscheidungen bitter. Architekten, die den Außenbereich vor 20 Jahren unzureichend berücksichtigt oder zu spät in ihre Planungen einbezogen haben, sehen sich im Kreuzfeuer der Kritik einer breiten Öffentlichkeit.

Mieter, Medien und Verbraucher üben einen so großen Erwartungsdruck auf Politiker, Entscheider und Investoren aus, daß, gegenüber dem Vergleichsjahr 2000 450% mehr Mittel in den Grünen Bereich fließen. Die professionell geplante und ausgeführte Außenanlage ist genauso selbstverständlich wie damals die Einbauküche, das schöne Bad oder das neue Auto. Der Verbraucher ist über das Thema „Grün“ wesentlich informierter als noch vor 20 Jahren. „Städtisches Grün und Lebensqualität“ sind längst nicht mehr Termini einer Fachpresse oder eines Spezialistenkreises. Wer sich ein Haus baut, denkt an den Begriff „Dachbegrünung“ noch eher als an den Begriff „Dachziegel“.

„Man“ macht zu Hause Urlaub. Die Tourismusbranche beklagt rückläufige Umsatzzahlen. Orte, die vor 20 Jahren rücksichtslos zugebaut wurden, gleichen zeitweilig „Geisterstädten“.

© DATAflor

Eine Fiktion, ein Traum, oder eine wirklichkeitsnahe, mögliche Entwicklung?

- Keine Bange, in Ostfriesland trifft auch dies sicher erst mit 40 Jahren Verzögerung ein !